EDERER & DIE DEMO. "Wie am 1. Mai"

Politik | Eva Weissenberger | aus FALTER 08/00 vom 23.02.2000

Das Ei hat keine Flecken hinterlassen. Brigitte Ederer putzt über die Hinterseite ihrer Lederjacke. Trotzdem ist die Finanzstadträtin sauer, wenn sie an die letzte große Demonstration gegen Rassismus denkt. "Den Schlögl haben sie gemeint. Aber ich habe die Eier abbekommen! Deshalb hatte ich auch das Recht zu sagen, dass er kein guter Parteichef gewesen wäre." Einen "Hauch von Weimar" hatte die Finanzstadträtin am 12. November verspürt. "Und genauso ist es dann gekommen", meint sie heute.

Am 19. Februar war alles anders.

"Jetzt ist die Welt wieder in Ordnung", findet ein Gewerkschafter und freut sich, dass er seiner "Lieblingsstadträtin Gitti" die Hand schütteln darf. Der alte Mann lächelt selig. Denn vor dem Parlament, wo Ederer mit ihrer SPÖ-Leopoldstadt demonstriert, "schaut es aus wie am 1. Mai", findet Bezirkssekretär Vusko Schüchner. Die Metaller protestieren mit roten Trillerpfeifen gegen Sozialabbau. Jeder Dritte trägt eine rote Regenjacke mit SPÖ-Emblem.

Alfred Gusenbauer schützt sich mit einem roten SPÖ-Schirm vor dem Regen. Die Leopoldstädter scharen sich begeistert um den designierten SPÖ-Obmann. "Du lässt mich beim Bezirksparteitag doch nicht im Stich", versichert sich Ederer.

Später wollen die besorgten Parteifunktionäre ihrer Stadträtin auch einen Schirm besorgen. Ederer lehnt entrüstet ab: "Das ist eine Demonstration und kein Spaziergang!" Nach eineinhalb Stunden kann sie aber nicht mehr. Die gerissene Archillessehne schafft, was die Eier nicht vermochten. Ederer gibt auf.


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