STREIFENWEISE

Kultur | Michael Omasta | aus FALTER 08/00 vom 23.02.2000

Eine Geschichte hat weder Anfang noch Ende: Willkürlich wählt man den Moment, von dem aus man ein Erlebnis rückschauend betrachtet oder sich vorstellt, wie es weitergeht." Mit diesem Satz beginnt "Das Ende einer Affäre", Graham Greenes 1951 erschienener Roman, der nunmehr von dem irischen Regisseur Neil Jordan in Bilder gesetzt wurde. Der Ort: London; die Zeit: während des Blitzes; die Handlung: Ministerialbeamtengattin vögelt Schriftsteller. Das Thema: die Eifersucht, von der Maurice Bendrix, das Alter Ego Greenes, geplagt wird. Warum eigentlich?

Der Film beginnt wie das Buch mittendrin. Als Bendrix (Ralph Fiennes) eines Abends Henry Miles (Stephen Rea) wieder begegnet, hat er Sarah (Julianne Moore) seit Jahren nicht mehr gesehen. Der Ehemann spielt mit dem Gedanken, einen Privatdetektiv auf sie anzusetzen, aber es ist ihr Liebhaber, der ihn schließlich engagiert. Jordan zeichnet jede psychologische Regung der Figuren, jedes noch so unbedeutend erscheinende Detail des in Ichform erzählten Romans nach. Und hier wie dort ist, man möchte meinen: naturgemäß, der als einzige nicht direkt in die Geschehnisse involvierte und etwas linkische Detektiv Mr. Parkis (Ian Hart) die mit Abstand interessanteste Figur.

Immerhin, das Ensemble müht sich redlich, die Fotografie von Anthony Pratt hat ihre schönen, vor allem dunklen Momente, und der Score von Michael Nyman kratzt ein wenig an dem gediegenen Historismus der Inszenierung. Warum Jordan, der mit seiner Verfilmung von Patrick McCabes "The Butcher Boy" zuletzt eine recht überzeugende Arbeit vorgelegt hat, sich überhaupt dieses antiquierten Stoffs angenommen hat, bleibt ungewiss: Dass manches, was Greene sich hier von der wunden Seele geschrieben haben mag - "Sogar im Augenblick der Ekstase war ich wie ein Polizeibeamter, der Beweise für ein Verbrechen sucht, das noch nicht begangen wurde" - auf der Leinwand nicht ganz so toll kommen würde, kann ihm schwerlich entgangen sein.


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