Erschossen am 7. April

KUNST. Die Ausstellung "Dinge, die wir nicht verstehen" bringt die Zuseher ins Gefängnis und ins 19. Jahrhundert. Dabei kann man einiges lernen.

Kultur | Matthias Dusini | aus FALTER 08/00 vom 23.02.2000

Die Uhr zeigt 7 Uhr 15. Die Gefangenen betreten den Gefängnishof, ein Kreissegment aus Beton ohne Bewuchs.Eine Minute verstreicht. Zwei Gefangene gehen aufeinander los. Die Wachbeamtin gibt einen Warnschuss ab. Weißer Rauch zieht durch das Bild. William Martinez hat nichts an außer einer kurzen Turnhose. 7 Uhr 18, 18 Sekunden. William Martinez sackt tot zu Boden. Erschossen am 7.4.1989.

"Als mächtig gilt, wer über technische Mittel verfügt", heißt es in Harun Farockis Video. Und weiter: "Sie haben kaum etwas - außer ihren Körper und die Zugehörigkeit zu ihrer Gang."

Der Film erzählt außerdem, wie Drogenstaubsauger winzige Stoffmengen aus der Matratze filtern. Wie Häftlinge im Hochsicherheitsgefängnis in Corcoran/Kalifornien in die Zelle zurückgeschickt werden, weil sie ihre Freundin berührt haben. Die Regeln überwacht kein hysterisch brüllender Gefängnisdirektor, sondern eine lautlos kreisende Überwachungskamera. "Sie sind einer Aufmerksamkeit nur wert im Ausnahmefall"


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