Exilroman remixed

LITERATUR. Der neue Exilroman "Haus der Kindheit" von Anna Mitgutsch vermag den alten Themen "Erinnerung", "Exil" und "Unbehaustheit" keine neuen Facetten abzugewinnen.

Kultur | Kirstin Breitenfellner | aus FALTER 08/00 vom 23.02.2000

Ein guter erster Satz ist noch keine ästhetische Kategorie, er sagt noch nichts aus über die Qualität eines Romans", heißt es in den "Grazer Poetikvorlesungen", die Anna Mitgutsch im Wintersemester 1998/99 gehalten hat. Dort präsentiert sie vier Einstiegsvarianten in ihr aktuelles Romanprojekt, das unter dem Titel "Haus der Kindheit" nun vorliegt.

"Das Foto stand auf der Kommode, solange Max sich zurückerinnerte. Es machte jede neue Wohnung zu einem weiteren Ort des Exils. (...) Von seiner Mutter hatte Max gelernt, dass die Erinnerungen das Einzige waren, was einem nicht verloren gehen konnte. Man durfte sie nicht ziehen lassen, wie die Schiffe, die sie als Kinder gebannt beobachtet hatten, wenn sie über den fernen Rand des Atlantik kippten und verschwanden."

Sätze von ähnlicher Bildkraft und Dichte gelingen Mitgutsch auf den folgenden330 Seiten nur noch selten, und im Laufe der Lektüre drängt sich die oben zitierte Einschränkung aus den "Grazer Poetikvorlesungen" immer wieder


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