Zwei Welten

KLASSENMEDIZIN. Nächstenliebe versus Zusatzversicherung: Arme Menschen kommen zur kostenlosen Behandlung ins Leopoldstädter Krankenhaus der Barmherzigen Brüder. Die anderen residieren in der Döblinger Privatklinik. Ein Lokalaugenschein in den zwei Welten der Medizin.

Stadtleben | Julia Ortner | aus FALTER 08/00 vom 23.02.2000

Die Luft im Spitalszimmer ist abgestanden. Es riecht nach Desinfektionsmittel, die Linoleumböden sind frisch gewischt. Olga ist das egal. Genauso wie die Tatsache, dass neben ihr noch drei andere kranke Frauen liegen. "Ich bin so froh, dass man mir hier hilft. Das sind gute Menschen", erzählt die 27-jährige Frau aus Moldavien in gebrochenem Deutsch. Ihre Stimme ist schwach - eine Folge der schweren Lungenentzündung, an der sie leidet.

Vor drei Monaten ist Olga ihrem Ehemann nach Österreich gefolgt - auf der Suche nach einer besseren Zukunft. Vor zehn Tagenhat man sie dann ins Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in der Leopoldstädter Großen Mohrengasse gebracht. "Ihr Zustand war schon sehr bedenklich", erinnert sich Ignaz Hochholzer, ärztlicher Leiter der Ambulanz. Die junge Frau hat sich trotz hohen Fiebers nicht vorher zum Arzt getraut: Sie ist nicht versichert, Geld hat sie auch nicht. Bei den Barmherzigen Brüdern spielt das keine Rolle. Sie behandeln arme Menschen ohne Versicherung


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