Europas große Brüder

Überwachung. 29 Millionen Telefonanrufe, Faxe, E-Mails werden täglich von Nachrichtendiensten abgefangen und ausgewertet. Im EU-Parlament droht nun ein Untersuchungsausschuss.

Patrik Volf / Brüssel | Medien | aus FALTER 09/00 vom 01.03.2000

Die Sache hat alles, was es für eine neue Endlosfernsehserie bräuchte: Gerüchte. Viele Gerüchte. Von Richtfunkantennen auf einsamen britischen Inseln, von riesenhaften Radarkuppeln hinter meterhohen Stacheldrahtzäunen, von Telefonleitungen, die geheimnisvoll ins Nichts führen, von Abkürzungen wie Echelon, ILETS, NSA, CIA und von einem Netz weltumspannender Überwachung. Alles in allem aber Gerüchte. Doch seit vergangener Woche, als der Journalist Duncan Campbell den staunenden Augen der Abgeordneten des Europaparlaments seinen Bericht über Echelon präsentierte, ist alles ein wenig anders.

Im Unterschied zu video- und cyberphiler Verschwörungsgeilheit ist an dieser Sache etwas dran. Seit den Siebzigerjahren und mit zunehmender Intensität in der zweiten Hälfte der Neunziger, so Campbell, der im Auftrag des Parlaments recherchierte, spionieren Amerikaner und Briten systematisch und mit hoch spezialisierter Abhörtechnik die internationalen Telekommunikationsverbindungen aus - vom

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