Blackout im Märchenwald

Film. Tim Burtons entzückende Gruselbastelei "Sleepy Hollow" zeigt Christopher Walkens Stunt-Double ohne Kopf, Johnny Depp als Aufklärer im Nebel und die rustikale Vergangenheit der USA als märchenhafte Augenweide.

Kultur | Drehli Robnik | aus FALTER 09/00 vom 01.03.2000

Johnny Depp fällt gern in Ohnmacht. Auffallend oft spielt der auch mit 36 Lenzen noch knabenhaft wirkende Star fragile und zartbesaitete Figuren, und in seinen jüngsten Filmen - Roman Polanskis Satanismus-Thriller "Die neun Pforten" und Tim Burtons Gruselmärchen "Sleepy Hollow" - verliert er in leitmotivischer Regelmäßigkeit das Bewusstsein. Die Ohnmacht, in die er fällt, entspricht jener der Vernunft im Kampf gegen archaische Mächte.

Diese für die meisten Horrorfilme prägende Konstellation wird in "Sleepy Hollow" zugespitzt: Ins "verschlafene Tal" wird 1799 ein von Depp gespielter New Yorker Constable entsandt, um eine rätselhafte Mordserie aufzuklären. Aufklärung meint hier Kriminologie ebenso wie moderne Sozial- und Erkenntniskritik (zumal deren Anfänge). Die ideologische Opposition der Story stellt kauzige Dörfler, die im Bann der Spuklegende vom reihum Leute enthauptenden "Kopflosen Reiter" stehen, gegen einen urbanen Fremdling und den Aberglauben bornierter Provinzpotentaten


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