Streifenweise

Kultur | Isabella Reicher | aus FALTER 09/00 vom 01.03.2000

Und das Gros des Hollywood-Outputs bewegt sich weiter zwischen Remakes, Literaturverfilmungen und Geschichten, die das Leben schreibt: Norman Jewison hat sich der Biografie von Rubin Carter angenommen, jenes schwarzen Mittelgewichtsboxers, der unter dem Nom de Guerre "The Hurricane" Berühmtheit erlangte und als Opfer eines rassistischen US-Polizei- und -Justizapparats in den Siebzigerjahren unschuldig wegen dreifachen Mordes ins Gefängnis kam. Denzel Washington hat für die Verkörperung des Helden soeben einen Berlinale-Bären ausgefasst - und einen Golden Globe und eine Oscar-Nominierung. Das ist nicht verwunderlich, denn der Film und Washingtons Rolle entsprechen ganz der allgemeinen Vorstellung davon, wie man - ausgestattet mit einer Mischung aus Heldencharisma, Gefühlspolitik und dem historischen "Echtheitszertifikat" - alle Erwartungen ans Weltverbesserungskino erfüllt und den braven Zuschauern in schöner Regelmäßigkeit und höchstwahrscheinlich völlig folgenlos kleine Schauder über den Rücken jagt. Am Rande gibt es ein kurzes Wiedersehen mit John Hannah, Liev Schreiber und Deborah Kara Unger. Insgesamt eine aufgeblasene TV-True-Story.

"Kleine Wunder" ("Pequenos Milagros") ist der neue Film des Argentiniers Eliseo Subiela, der gerne "Poesie" und Übersinnliches bemüht, um Geschichten von Männern und Frauen zu erzählen, in denen die (schönen) Frauen häufig ätherische Lichtgestalten und die (richtigen) Männer "gebrochene" Seelchen sind. Im vorliegenden Fall handelt es sich um eine verträumte Kassierin, die die Fee in sich entdeckt, und einen schüchternen jungen Physiker, der sie lange aus der Entfernung beobachtet. Außerdem läuft diese Woche noch Alan Parkers High-Quality-Verfilmung von Frank McCourts Bestseller "Angela's Ashes" an: eine relativ langatmige, relativ staatstragende Angelegenheit mit Robert Carlyle und Emily Watson - schöner Filmen für Fortgeschrittene.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige