Kunst kurz

Kultur | Nicole Scheyerer | aus FALTER 09/00 vom 01.03.2000

Wunschtraum eines Künstlers: 1922 kaufte der amerikanische Sammler Albert Barnes in Paris auf einen Schlag 52 Bilder des damals unbekannten Malers Chaim Soutine. Der 1893 in Litauen geborene Jude stellte zeitlebens nur dreimal öffentlich aus. Das Jüdische Museum Wien zeigt nun erstmals in Österreich eine Auswahl seiner Werke. Soutine entwickelte eine expressive Formensprache, in der sich glühende Farben zu abstrakten Figuren verselbstständigen. Die Kulisse der Pyrenäen inspirierte ihn zu verzerrten, apokalyptischen Landschaften; außerdem malte Soutine melancholische Porträts wie den "Dorfidiot" oder "Die alte Schauspielerin"; die Bildreihe "Geschlachteter Ochse" geht auf seine Beschäftigung mit Rembrandts gleichnamigem Gemälde von 1655 zurück. Soutines damalige Gehilfin verglich sein Atelier mit einem Schlachthaus, er soll Kadaver mit frischem Blut übergossen haben, um die rote Farbe des Fleisches zurückzugewinnen. Das erinnert nicht zufällig an Hermann Nitsch: Der Aktionist lernte Soutines Arbeiten 1945 in Paris kennen. Auch einige seiner Schüttbilder werden in der Ausstellung zu sehen sein, parallel zeigt die Galerie Heike Curtze Nitschs "Ochsenbilder".

Jüdisches Museum (1., Dorotheergasse 11), bis 4.6.

Galerie Heike Curtze (1., Seilerstätte 15/16), bis 1.4.

Obwohl das Architekturzentrum wegen Umbau geschlossen ist, werden im Rahmen von "SonntagsArchitektur" Führungen zu wichtigen Bauwerken in Wien und Prag angeboten. Der Einfluss von Otto Wagner, Adolf Loos und Josef Hoffmann auf die tschechische Architektur von 1910-38 und die Werkbundsiedlung BABA sind Schwerpunkt der ersten Exkursion nach Prag. Dieser Mustersiedlung von 1932 ist auch eine Ausstellung der Reihe "Architektur im Ringturm" ab 15.3. gewidmet.

Anmeldung: Tel. 522 31 15 oder www.azw.at.


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