Aufgeblättert

Kultur | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 09/00 vom 01.03.2000

Unter den elisabethanischen Dramatikern ist Christopher Marlowe einer der ganz wenigen, die in Shakespeares langem Schatten nicht vollkommen in Vergessenheit gerieten. Der 1564, im selben Jahr wie sein berühmter Kollege, geborene Marlowe wurde nur 29 Jahre alt; sein Leben war kurz, aber heftig. Er wurde unter Mordverdacht verhaftet, der Häresie und der Verschwörung bezichtigt - und bei einer Wirtshausstreiterei schließlich auf ziemlich brutale Weise umgebracht: Jemand hatte ihm ein Messer durch das Auge gerammt. Marlowes Tod passt zu seinen alles andere als zimperlichen Stücken. Sechs Tragödien hat er hinterlassen, darunter "Der Jude von Malta", einen "Faust" und das schwule Königsdrama "Edward II.", das Claus Peymann 1998 im Kasino inszeniert hat. Dass in einem aufwendig gestalteten - und entsprechend kostspieligen - Band nun "Sämtliche Dramen" vorliegen, ist schon deshalb zu begrüßen, weil es dazu beitragen könnte, dass diese wilden, heiß-kalten Stücke häufiger gespielt


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