Stadtrand

Stadtleben | aus FALTER 09/00 vom 01.03.2000

Nicht erwünscht Angenommen, Sie sind gerade auf dem Weg zu einem demokratischen Spaziergang und betreten eine Trafik, weil Sie ein Packerl Zigaretten brauchen. Dann kann es passieren, dass der freundliche Trafikant plötzlich ganz unfreundlich wird und Sie einfach nicht bedient. Der Grund: Dem Mann hinter der Brieflosbudel missfällt Ihr noch zusammengerolltes (!) Transparent. Nicht nur, dass sich Kunden in manchen Wiener Trafiken beim Kauf des "Falter" oder der Wochenzeitung "Zeit" scheinbar als irgendwie besonderer Leser bekennen und entsprechende Kommentare anhören müssen ("Aha, so einer sind Sie also?"), jetzt wird sogar der Zigarettenkauf zum Politikum. Denn auch Demokraten, die das durchgestrichene blau-schwarze Mascherl aufkleberweise am Mantel tragen, ist es schon passiert, dass Trafikanten sie entweder gar nicht oder extra unfreundlich bedienten. Einige Anti-Mascherl-Träger wurden sogar schon des Geschäfts verwiesen. Gilt dann demnächst wenigstens bei den Öffis die Schwarzfahrerausrede "Ich wollte mir ja eine Wochenmarke kaufen, aber der Trafikant hat mich nicht bedient"? Und: Beim Kauf welcher Zigarettenmarke outet man sich eigentlich als Regierungsgegner? Marlboro Menthol oder Memphis Red. Oder heißt der gewaltfreie Widerstandstschik einfach nur Milde Sorte? C. W.


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