Phettbergs Predigtdienst: Leben und Leben lassen

Phettberg: "Nähme Sie gerne zum Sado." Passant: "Was muss ich da tun?" Dialog bei Mc Donald's am Schwedenplatz vom 10.1.00, 19 Uhr (Zwischengesang am Faschingssonntag, heuer - einem Lesejahr B - am 9. Sonntag im Jahreskreis)

Stadtleben | aus FALTER 09/00 vom 01.03.2000

Möchte wen zum lieb Haben, möchte ihn aber nicht am Hals. Es mag durchaus Leute geben, die ihr Leben mit wem teilen wollen. Aber nicht verstehe ich, wieso die nicht zwischendurch, wie einen Nasenrammel an der Hosennaht abstreifen, mich ein bissel sadisteln könnten. Da bliebe doch noch wahrlich genug für den Lebensgefährten, wenn ab und zu wer mich erniedrigte und prügelte! Ich müsste nicht einmal den Namen meines Eigentümers wissen. Ich würde mir ein rotes Telefon wie Washington und Moskau zulegen, mit einer Freisprecheinrichtung, und schlief mit ihr am Ohr. Schon das Warten auf die telefonischen Befehle triebe mich in die Ekstase. Es müsste nur als allgemeines Kulturgut etabliert werden, wie das Benützen der Kondome, dass, wenn zwei bei Mc Donald's sich träfen und einander geil fänden, zuerst frügen: Leben oder Ficken, oder eben Sadisteln, und die Antwort wäre: Nein, ich lebe schon, habe schon das Nest gebaut. Das tue ich mir kein zweites Mal mehr an, für das bisschen Leben.


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