Verstärkung mit "Schas-"

Sammlungssammler. Walter Daniel sammelt rund die Hälfte aller sammelbaren Gegenstände. Aus seiner derzeit entstehenden Sammlung will er ein Buch machen: eines voller Schimpfwörter.

Stadtleben | Sigrid Neudecker | aus FALTER 09/00 vom 01.03.2000

Die Liste hat nur mehr auf einem A3-Blatt Platz. Und auch da sind schon alle Ecken voll: "Meine persönlich bekannten Künstler" steht im Eck, rechts oben, "Ars pro Wien" darunter und "Walter Daniel, Doz. an versch. Instituten". Der Rest ist mit kleinstgeschriebenen Namen vollgekritzelt: "Leherb +, Mag Ass Ang." oder "Frey Nora (Dichterin)" oder "Prof. Elfriede Ott". Manchmal müssen auch Sammelnamen für die Erinnerung reichen: "Die Sprayer" oder "Die Rumänen". Aber das Wichtigste ist Genauigkeit: "(+ Exgatte)".

Walter Daniel sammelt, was ihm in die Finger kommt: Erinnerungen, Namen, Kunstwerke, Münzen, Spiele, Antiquitäten. Und seit knapp eineinhalb Jahren Schimpfwörter. Die verstellen wenigstens keinen Platz. "Es gibt 100 Hauptsparten, die man sammeln kann", doziert Daniel, "ich sammle 50 davon."

In der Wohnung des Dozenten sieht es aus wie auf seiner "Persönlich bekannte Künstler"-Liste: Die Zimmerdecken sind die einzigen freien Flächen, sogar die Fenster sind nicht vor Kunst sicher.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige