Diktat der Harmonie

MEDIEN. Unter schwarz-blau Oberösterreich ist, wo in hochpolitischen Zeiten wie diesen ein politischer Journalist gefeuert wird und das als etwas ganz und gar Unpolitisches gilt.

Vorwort | Gerhard Marschall | aus FALTER 10/00 vom 08.03.2000

Alles schon einmal erlebt. Jetzt, zehn Jahre später, exakt das gleiche Bild, wie nachgemalt. Gegenüber am Tisch sitzt ein Chefredakteur und verkrümmt sich, weil ihm vermutlich selbst nicht geheuer ist bei dem, was er von sich gibt. "Persönlich peinlich", sagt er. "Hervorragender Journalist", "ausgezeichnete Arbeit geleistet" und vieles mehr in dieser Art sagt er. Bis er endlich zu jenem "Aber" findet, das dem dick aufgetragenen Lob das Genick brechen soll. "Aber bei der falschen Zeitung", sagt er.

Ich sitze da, höre nur zu und sage mir: Das kann doch nicht wahr sein, dass sich die Dinge so frappant wiederholen. Damals die Oberösterreichische Rundschau, jetzt die Oberösterreichischen Nachrichten - die gleiche Situation, der gleiche Abgang, dieselben Worte: Alles bestens, dennoch adieu!

Ja, das Absurde überwiegt zweifellos. Da versteckt sich ein Chefredakteur hinter tatsächlicher oder angeblicher Leserempörung, um zu begründen, warum der Journalist, den er seinerzeit vom Standard


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