Standpunkt: Im Zusammenhang

Politik | aus FALTER 10/00 vom 08.03.2000

Der Kärntner Landtagsabgeordnete Gerhard Arbeiter ging als wohl erster Sozialdemokrat, der in einem Zeitungsinterview Josef Goebbels zitiert hatte, in dieGeschichte ein. Wer dachte, dass der Gewerkschafter wegen dieses Sagers in derKärntner Woche mit Schimpf und Schande aus der Partei gejagt werde, hat sich geschnitten. Die SP-Spitze hielt sichachselzuckend raus, Kärntner Kollegen stellten sich sogar hinter den Parteifreund. Vergangene Woche verglich sich Arbeiter mit der Kärntner Woche, die er wegen angeblich falscher Zitierung geklagt hatte. Die Chancen, dass er beim anstehenden Parteischiedsgericht ungeschoren davonkommt, stehen damit gut. Schlecht wird die Optik hingegen sein, wenn die SPÖ künftig wieder einmal einen blau-braunen Ausrutscher geißeln will. Zumal die Verteidigungslinie Arbeiters unter anderem auf einem Argument fußte, daß auch freiheitliche Großmäuler stets gern benützten: Das Zitat sei aus dem Zusammenhang gerissen worden. Seither darf gerätselt werden, in welches mysteriöse Satzkonstrukt Arbeiter seinen Goebbels-Satz "Das Volk muss fühlen, wer das Sagen hat" eingebettet hatte. Vielleicht schickte er dem Zitat ein relativierendes "Anders als Heinrich Himmler argumentiert hätte ..." voraus? Dann wäre freilich alles anders.G. J.


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