Was heißt hier Liebe?

Theater. Lethargie des Grauens, Liturgie des Begehrens: "Troilus und Cressida" an der Burg, "Viridiana" im Akademietheater.

Wolfgang Kralicek | Kultur | aus FALTER 10/00 vom 08.03.2000

Die Liebe ist ein grausames Spiel: Am Morgen nach ihrer ersten Liebesnacht mit Troilus wird Cressida im Austausch gegen einen trojanischen Helden an die Griechen ausgeliefert. Es hilft kein Weinen, es hilft kein Flehen, es ist eine Tragödie. Aber was macht Cressida? Vor den Augen des heimlich zuschauenden Troilus erliegt sie den Avancen des ersten Griechen, der sie anbaggert. Zynischer als William Shakespeare in "Troilus und Cressida" kann man von der Liebe nicht berichten.

Die Liebe ist ein seltsames Spiel: Die Frau von Don Jaime ist in der Hochzeitsnacht, noch im Brautkleid, an einem Herzanfall gestorben. Noch Jahrzehnte später feiert der Witwer in seinem Schlafzimmer perverse Messen der Liebe: Er holt das Brautkleid aus dem Schrank, schlüpft in die Stöckelschuhe der Verstorbenen und legt ihr Korsett an. Als Don Jaimes Nichte Viridiana ihn besucht, unternimmt er einen letzten, verzweifelten Versuch, sein Leben zu retten. Sie geht, er hängt sich auf, sie kommt zurück - ist es eine

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