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Kultur | Petra Rathmanner | aus FALTER 10/00 vom 08.03.2000

Es soll ja immer noch Leute geben, die an den Ivana-Trump-Komplex glauben: Heirate den reichen Märchenprinzen, und das Glück stellt sich von selbst ein. Wer sich dafür erwärmen kann, hat dieser Tage die Chance, sowohl eine Komödie (Thema: So angle ich mir einen Millionär) als auch eine Tragödie (Thema: So gehts mir dann) zu diesem Sujet zu sehen.

"Wölfe und Schafe" zählt nicht zu den besten Stücken von Alexander Ostrowski, dem Klassiker der russischen Gesellschaftskomödie des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Eine Gutsbesitzerin möchte eine junge und naive, aber steinreiche Witwe mit ihrem nichtsnutzigen Neffen verheiraten. "Frauen und Mädchen sind die schlimmsten Wölfe", wehrt sich ein betuchter Gutsbesitzer standhaft, bis auch er der Verführung erliegt. Der eigentliche Wolf aber ist der reiche Nachbar, der die Intrige der Gutsherrin vereitelt und am Ende die reiche Witwe samt ihrem Geld einheimst. "Heutzutage sind die Wölfe die Newcomer", meinte Regisseur Zeno Stanek in einem Radiointerview. Falls er darin eine Aktualität des Stücks meint, versteht er es, diese in der Inszenierung zu verbergen. Die Drehbühne im Volkstheater ist mit Interieur aus dem 19. Jahrhundert ausgestattet, die Darstellung passt sich dem antiquierten Bühnenbild an.

Im Ensemble Theater erzählt "Gier unter Ulmen", eines von Eugene O'Neills wenig bekannten Stücken, vom tristen Eheleben anno 1900 auf einer amerikanischen Farm: Die junge, bettelarme Abbie heiratet den alten, tyrannischen Ephraim wegen seiner wohlbestallten Farm, verliebt sich aber in seinen erwachsenen Sohn Eben. Die Katastrophe im Reich des Patriarchen ist perfekt, als Abbie einen Sohn auf die Welt bringt, dessen Vater nicht der Ehemann ist. Dieter Haspel inszeniert die rauhe Sprache ("Speck ist Speck. Schweiß ist Blut") zwar mit starker körperlicher Präsenz der Schauspieler undstimmungsvoll eingesetzter Country-Musik, nur warum einen diese verstaubte Farmersaga heute interessieren sollte, vermag er nicht zu veranschaulichen.


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