Jürgen Hatzenbichler: Vom Neonazi zum "Gutmenschen"

Kultur | Klaus Nüchtern | aus FALTER 10/00 vom 08.03.2000

Bislang ist Jürgen Hatzenbichler im Falter nicht als Autor (siehe oben stehenden Artikel zur Kärntner Kulturpolitik), sondern nur als Objekt der Berichterstattung über die rechtsextreme Szene vorgekommen. Der 1968 in Klagenfurt geborene Hatzenbichler fand als 15-jähriger Eingang in die harte Neonaziszene, aus der er sich vier Jahre später wieder zurückzog. Über die Beschäftigung mit der "Konservativen Revolution" gelangte er zur Neuen Rechten, schrieb bei der Kärntner FP-Wochenzeitung Kärntner Nachrichten, dann bei der Aula und der Jungen Freiheit, schließlich, als leitender Redakteur, bei Andreas Mölzers Zur Zeit, die er vor eineinhalb Jahren wieder verließ. Hatzenbichler: "Gerade bei diesem Projekt bin ich an einen Punkt gekommen, wo zwischen meiner Lebenswirklichkeit und der Situation als Mitverantworlicher für dieses Blatt ein eklatanter Graben klaffte. Die Inhalte von katholisch bis kulturell-reaktionär waren nicht mehr meine. Ich musste das ganz einfach bilanzieren: ,Es stimmt nicht.' Ich habe das mit einem ,Abschiedsaufsatz' beendet und mich zurückgezogen. Das war sehr befreiend."

Mit Kulturkämpfen hat Hatzenbichler naturgemäß einige Erfahrung gemacht, hat in seiner Beschäftigung mit der Gothic- und Techno-Szene versucht, "da eine rechte Ästhetisierung herauszulesen bzw. hineinzudeuten". Nicht zuletzt waren es, neben Diskussionen mit politisch Andersdenkenden und Reisen in die Dritte Welt, aber gerade seine, dem Klischee von der rechten Unterwanderung diametral entgegengesetzten Erfahrungen mit der Techno-Szene, die seine Distanzierung vom rechten Milieu vorangetrieben haben. Heute möchte sich Hatzenbichler politisch, "polemisch gesagt, als ,Gutmensch'" definiert wissen oder, um es mit einem anderen Schlagwort auszudrücken, als "libertär".

Dieser Tage wird Hatzenbichler, der derzeit in einem Sägewerk arbeitet, sein Studium - Philosophie und Geschichte - an der Universität Klagenfurt abschließen.


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