Standpunkt: Lasst sie arbeiten!

Politik | aus FALTER 11/00 vom 15.03.2000

Wer hätte das gedacht, dass die Regierungspartei FPÖ dem Ausdruck "unguided missile" eine ganz neue Dimension verleiht. Derzeit ist es nämlich nicht nur ein einzelner Flugkörper, sondern ein ganzes Arsenal, das ziel- und planlos herumschwirrt, um bei ballistischen Vergleichen zu bleiben. Jener Minister, der sich als Dienstauto einen Jaguar gewünscht hat und von einem vermeintlichen Freund auf einen gemeinsamen Schnacksel-Abend mit der Miss Vienna angesprochen wurde, ist zwar nicht mehr mit von der Partie. Dafür gibt es noch eine Sozial- und Frauenministerin, die in ihrem Fachbereich offenbar nicht mit allzu viel Vorwissen belastet ist. Einen Infrastrukturminister, der die osteuropäischen EU-Beitrittskandidaten mit faulen Äpfeln vergleicht, obwohl in der Präambel zum eigenen Regierungsprogramm ziemlich genau das Gegenteil steht. Und ein einfaches Parteimitglied in Kärnten, dass immer dann lautstark losrüpelt, wenn Bundeskanzler Wolfgang Schüssel gerade wieder in seinen Alles-wird-sich-beruhigen-Träumen versinkt. Wenn nicht vieles, was die FPÖ propagiert, politisch ungustiös und inakzeptabel wäre, man könnte fast versucht sein, sich Schüssel anzuschließen: Lasst diese Regierung doch einfach arbeiten! Die Oppositionsparteien sollten bei den nächsten Wahlen viel Spaß haben. G. J.


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