Der andere Gross

Gross-Prozess: Der pensionierte Malermeister Johann Gross ist eines der noch lebenden "Spiegelgrundkinder" und Zeuge im Prozess gegen den NS-Arzt Heinrich Gross. Erinnerungen an seinen Namensvetter und dessen "medizinische Strafmaßnahmen".

Politik | Peter A.Krobath | aus FALTER 11/00 vom 15.03.2000

Ich habe als asozial und schwer erziehbar gegolten, schon aufgrund meiner Eltern. Mein Vater war Analphabet und Alkoholiker, hat von Geburt eine gelähmte Hand gehabt, also alles, was nach den deutschen Erbgesetzen schlecht war. Ich habe eigentlich durch mein Leben dieses Gesetz widerlegt. Ich habe immer schwer gearbeitet, einen Beruf gelernt, mich selbstständig gemacht, habe ein ordentliches Leben geführt und niemandem etwas gestohlen."

Das einzige "Vergehen", das er sich zuschulden kommen ließ: Am 23. Juni 1940, als Neunjähriger, brach er eine Sammelbüchse der "Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt" auf. Das Geld brachte er seiner Pflegemutter. "Ich habe gedacht, ich mach ihr eine Freud. Freilich hat sie mich melden müssen. Das war der Beginn." Zunächst kam Johann Gross ein Jahr in das "Hyrtlsche Waisenhaus", ein Heim mit militärischem Drill und sadistischen Erziehern. Nach drei Fluchtversuchen und jeder Menge Prügelstrafen landete der "widerspenstige" Bub in der "Erziehungsanstalt


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