Wolfgangs Notausgang

EU-Boykott: Österreichs Politik wird nicht müde, der EU Österreich zu erklären. Bundespräsident, Oppositionsführer, Ex-Finanzminister, Bundeskanzler. Einer nach dem anderen gibt sich in Brüssel ein Stelldichein. Der Städtetourismus erreicht ungeahnte Ausmaße und lässt Raum für jede Menge Spekulation.

Patrik Volf / Brüssel | Politik | aus FALTER 11/00 vom 15.03.2000

Minister sind nichts Besonderes. Die kommen ohnedies wöchentlich. Auf Präsidenten muss man auf dem Brüsseler Pflaster schon länger warten, doch hin und wieder, warum nicht? Aber Oppositionsführer haben in der Regel eher das Anliegen, sich an den EU-Bürokraten zu reiben, als ihnen zu Füßen zu liegen. Ex-Finanzminister werden eher als Kommissare eingesetzt und erscheinen nicht einfach, um Pressekonferenzen zu geben. Und Regierungschefs dürfen vor den halbjährlichen Tagungen des Europäischen Rates eigentlich selbst Gastgeber für ihre Kollegen des Ratsvorsitzes spielen und müssen dafür nicht eigens nach Brüssel reisen. Österreichs derzeitiger unilateraler Städtetourismus stellt alles auf den Kopf. Thomas Klestil reist in höchster Mission in die EU-Hauptstadt, um mit Kommissionspräsidenten Romano Prodi über sein Land zu sprechen. Alfred Gusenbauer fühlt sich mit einem Mal als Vermittler. Rudolf Edlinger tritt als Ehemaliger bei seinen sozialdemokratischen Regierungskollegen

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