Handwerker und Prophet

Musik: Mittels esoterischer Schummelpfade versucht D'Angelo sich in die Tradition des Autorensoul einzuklinken. Dabei hat er das längst nicht mehr nötig - wie sein neues Album "Voodoo" beweist.

Kultur | Robert Rotifer | aus FALTER 11/00 vom 15.03.2000

Mit der weißen Rezeption von Soul war das immer schon so eine Sache: Geschmäcklerische Klischees bevölkern das Vokabular der Auskenner, da wird viel von Tiefe, Seele und Echtheit geredet, das Stereotyp vom edlen Wilden ist nie allzu weit entfernt. Selbst ein sprachbewusstes Studentenmagazin wie die deutsche Spex ließ sich in ihrem Artikel über den Sänger D'Angelo kürzlich zu Naturgewaltsmetaphern über das Wandeln entlang der Kraterränder stiller Vulkane hinreißen.

D'Angelos Musik mag sich ideal als Projektionsfläche für die Wunschträume des frustrierten Black-Music-Liebhabers eignen, der vor der leblosen zeitgenössischen R&B-Fließbandware - mit dem immergleichen Rhythm und gänzlich ohne Blues - in den Schoß der Vergangenheit flieht. Aber D'Angelos Rückbesinnung auf die ewigen Konstanten Marvin Gaye, James Brown, Stevie Wonder, Jimi Hendrix und Sly Stone ist eher spirituell als retro. So bestand er darauf, sein neues Album in Hendrix' Electric-Ladyland-Studio aufzunehmen,


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige