Eine Frage des Prinzips/Beispiel Amsterdam: 0,2 Stellplätze pro Wohnung

Stadtleben | aus FALTER 11/00 vom 15.03.2000

Vor sieben Jahren startete in Amsterdam das Projekt einer autofreien Großsiedlung mit 600 Wohnungen. Für die niederländischen Stadtplaner im Prinzip nichts Neues, da in Amsterdam bereits seit 1945 Stadterneuerungsprojekte im Bereich der alten Grachtenquartiere von gesetzlichen Stellplatznachweisen befreit wurden. Beim Städtebauprojekt GLW-Terrein im Stadtteil Westerpark, drei Kilometer außerhalb des Zentrums, kam jedoch erstmals das Konzept autofreies Wohnen in großem Maßstab zur Anwendung. In einem hundert Jahre alten Stadterweiterungsgebiet gelegen, konnte man auf eine bereits bestehende, natürlich gewachsene Stadtstruktur mit Öffi-Verbindungen, Geschäften und anderen Nachbarschaftseinrichtungen zurückgreifen. 1996 wurde GLW-Terrein fertiggestellt, seit 1998 ist die Anlage - je zur Hälfte Eigentumswohnungen und öffentlich geförderte Mietwohnungen - komplett bewohnt.

Das 6 Hektar große Gelände eines ehemaligen Wasserwerkes wurde relativ dicht bebaut (100 Wohneinheiten pro Hektar plus Gebäude für Kultur und Gewerbe, Gastronomie und ein TV-Studio). Eine geringe Anzahl von Autoabstellplätzen (0,2 Stellplätze pro Wohneinheit) lässt aber privaten und öffentlichen Grünflächen viel Raum auf dem Gelände. Und hilft bei der Umsetzung der Autofreiheit. Für Autos (auch Taxis und Lieferfahrzeuge) ist das gesamte Gebiet gesperrt. Auch sonst sind Parkplätze rar, denn die Bewohner dürfen die Parkhäuser im Stadtteil nicht benutzen. Allerdings wird niemand bestraft, der sein Auto außerhalb der Siedlung abstellt. Derzeit plant die Stadt ein Parkhaus direkt neben dem GLW-Terrein - unter anderem für Besucher der dortigen Einrichtungen. Noch ist nicht klar, ob den Bewohnern der Zugang dazu ermöglich werden soll - schließlich wollten sie autofrei wohnen.

C. W.


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