Fremde ohne Ende

Exil: Mit eindringlicher Schlichtheit beschreibt der Architekturkritiker Adolf Placzek die Unwirklichkeit seiner "Wiener Gespenster" im amerikanischen Exil.

Iris Buchheim | Extra | aus FALTER 12/00 vom 22.03.2000

Ich möchte nicht mehr in Wien leben, aber ich würde doch gern dort begraben sein", sagte die betagte Frau Weiss. Ihr ist zwar 1939 mit ihren drei Kindern die Flucht nach New York gelungen, aber angekommen ist sie dort nie richtig. Ihr Sinnen und Trachten blieben gleichsam zurück in der Heimat, die ihr keine mehr sein konnte, die aber als traumhaftes "Aber-bei-uns-Land" alles überschattete, was die neue Welt bot.

Frau Weiss ist eines der "Wiener Gespenster", die Adolf Placzek in seinem neuen Buch eindrucksvoll lebendig werden lässt, Gespenster, die nicht als böse Geister nachts andere verfolgen, sondern ganz gewöhnliche Menschen, denen Verfolgung und Flucht so nachhaltig das Blut aus den Adern gesaugt haben, dass sie in ihrer neuen Wirklichkeit in Manhattan keinen Fuß fassen können. Gespenster, die in der Wirklichkeit nichts zu bewegen vermögen und kaum von etwas bewegt werden: "Es war Weltkrieg an ihnen vorbei gewesen, ohne Wirklichkeit. Nur die Gerüchte des Schreckens, die ihre

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