In der Klemme des Lebens

Jüdische Welt: Dieser Tage erscheint Isaac Bashevis Singers vor über 40 Jahren geschriebener Roman "Schatten über dem Hudson" auch auf Deutsch. Das voluminöse Opus enthält die zentralen Themen des Nobelpreisträgers in radikaler Zuspitzung und erzählt von der Geburtsstunde der modernen Neurose.

Extra | Iris Buchheim | aus FALTER 12/00 vom 22.03.2000

Die moderne Kultur ist der reinste Sadismus. Sie hat die Nazis ausgebrütet und den Kommunismus und alles Böse auf der Welt." Hier geht nicht etwa ein sattelfester Orthodoxer, sondern ein ebenso skeptischer wie unermüdlicher Gottsucher, der bislang selbst rege in dieser "gigantischen Unterwelt" mitgemischt hat, hart mit sich und der Moderne ins Gericht. Die Rede ist von Hertz Grein, der zentralen Gestalt in dem so opulenten wie mitreißenden Roman des Nobelpreisträgers Isaac Bashevis Singer: "Schatten über dem Hudson" ist bereits in den Jahren 1958 und 1959 in einer jiddischen Zeitung, aber erst 1998 auf Amerikanisch und nun endlich auf Deutsch erschienen, und zwar in einer rundum gelungenen Übersetzung, die das Jiddische wohldosiert hervorscheinen lässt und durch ein umsichtiges Glossar ergänzt wird.

Wie in fast allen Geschichten dieses 1935 nach New York emigrierten chassidischen Rabbinersohnes geht es um den unauflöslichen Widerstreit von Gut und Böse, von freiem Willen und totaler


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