Jugoslawisches Mosaik

Literatur: "Mama Leone", der dritte Erzählband des bosnischen Schriftstellers Miljenko Jergovic', ist eine meisterhafte Abhandlung über die Unmöglichkeit, auf dem Balkan zur Normalität zurückzukehren.

Extra | Patrik Volf | aus FALTER 12/00 vom 22.03.2000

Schreiben können viele, erzählen nicht. Miljenko Jergovic' beherrscht beides. Mit den Büchern "Sarajevo Marlboro" (1996) und "Karivani" (1997) wurde der 34-jährige Autor aus Sarajevo - mittlerweile mit Wohnsitz in Zagreb und einer Anstellung als Chefinterviewer der kroatischen Wochenzeitung Feral Tribune - zum Chronisten eines Krieges, über den viel geschrieben, aber nur wenig gesagt wurde.

In seinem dritten Erzählband "Mama Leone" braucht Jergovic' lange, um sich dem Krieg zu nähern, und beginnt zunächst mit der Geschichte einer Kindheit im Jugoslawien der Tito-Zeit. Die Erinnerungen des kleinen, in Sarajever aufwachsenden Miljenko sind nur vordergründig eine Idylle. Bereits bei seiner eigenen Geburt muss Miljenko mitanhören, wie der Arzt angesichts eines kläffenden Hundes auf der Entbindungsstation protestiert: "Scheiß auf eine Welt, in der die Kinder in Hundeställen geboren werden." Doch keiner glaubt dem Buben seine Geburtsgeschichte, auch nicht als er damit droht, sofort


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