Auf den Hund gekommen

Südafrika: In "Schande" erzählt der zweifache Booker-Preisträger J.M. Coetzee von den Problemen Südafrikas und den Grausamkeiten des Alterns.

Extra | Stefan Ender | aus FALTER 12/00 vom 22.03.2000

Unser aller Kategorischster, der etwas zu Laute, verwendete die beiden Adjektiva "fabelhaft" und "hochdramatisch". Die Frau aus Wien meinte "einen der bestürzendsten Romane" ever gelesen zu haben. Und auch der dicke Mann ganz rechts lobpries. Soll, muss also heißen: Das Buch ist gut.

Und das Buch ist gut. Einnehmend klar in der Sprache, packend in der Dramaturgie und um rationales wie auch emotionales Verständnis bemüht, zeichnet der 60-jährige Südafrikaner Coetzee in "Schande" ein erschütterndes Bild von den fast unlösbar scheinenden Problemen des ehemaligen Apartheid-Staates. Doch nicht nur das: Es gelingt ihm gleichzeitig, gelingt ihm eine in ihrer schonungslosen Konsequenz fast schon schmerzhaft zu nennende Erzählung über die Unerbittlichkeit des Alterns.

David Lurie nennt Coetzee seinen tragischen Helden, und es darf als nicht unmutig bezeichnet werden, dass der Autor die glücklose Hauptfigur von "Schande" derselben Berufsgruppe zuordnet, der auch er selbst angehört: Lurie


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