Schwitzende Männerleiber

Aus dem Leben: Wolfgang Hilbigs "Das Provisorium" ist ein sehr persönlicher Bericht von der Höllenfahrt eines Alkoholikers zwischen den Welten - und grandiose Literatur.

Extra | Jörg Magenau | aus FALTER 12/00 vom 22.03.2000

Manche Dinge müssen aufgeschrieben werden, weil es unmöglich ist, über sie zu sprechen. Das Schreiben fällt schwer genug. Wolfgang Hilbig hat fünf Jahre an seinem neuen Roman gearbeitet, der so eindeutig autobiografisch ist wie keines seiner Bücher zuvor. Mehrfach musste der Veröffentlichungstermin verschoben werden, und als im November endlich der erste Fahnensatz vorlag, schrieb er noch einmal alles um und trug sich mit dem Gedanken, das Buch endgültig zurückzuziehen. "Eigentlich habe ich es zweimal geschrieben", sagt er. "Als ich das erste Mal fertig war, habe ich gesehen, dass es so nicht geht, und gleich wieder von vorne begonnen."

Die erste Fassung hatte Hilbig in Ichform erzählt, aber da war ihm alles zu nah. Erst als er die Hauptfigur "C." nannte und von ihr in der dritten Person sprach, gelang es ihm, "diesen Typen von außen zu sehen", sich in die finstersten Tiefen des Alkoholismus dieser Person zu begeben, ihre Ratlosigkeit und bodenlose Verlorenheit auszuhalten. Jetzt


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige