Im Herbst der Pubertät

Männer Anfang 40: Matthias Politycki führt seinen Helden aus dem "Weiberroman" in die unmittelbare Gegenwart. "Ein Mann von vierzig Jahren" berichtet von der Liebe in der Postmoderne zwischen iMac und lustigen Designer-Lampen.

Extra | Klaus Nüchtern | aus FALTER 12/00 vom 22.03.2000

Es gibt viele Romane, in denen nicht gevögelt wird. Aber so nicht gevögelt wie in Matthias Polityckis jüngstem Roman wird selten. Nicht dass in "Ein Mann von vierzig Jahren" überhaupt nicht gevögelt würde - immerhin ist die Seite 318 vollständig eingeschwärzt, und man kann füglich davon ausgehen, dass es zwischen Gregor Schattschneider und Marietta Beinhofer nun endlich doch noch körperlich zur Sache gegangen ist, aber, mein Gott, 318 Seiten (zuzüglich eines umfangreichen Fußnoten-Apparates) sind doch ein breiter Weg. Vor allem wenn gleich auf der ersten Seite eine gewisse Mascha dem Helden ihr linkes Bein über die Schulter legt und reichlich von Lippen, Wölbungen oder "bronzebraun schimmernden Kniekehlen" zu lesen ist. Mag schon sein, dass es pubertär ist, da immer gleich ans Immer-nur-eine zu denken, aber wie bemerkt Mascha eingangs so richtig gegenüber Gregor: "Kein Grund zur Panik, Grischa, die Pubertät hört bei euch Männern ja nicht mal mit vierzig wirklich auf."


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