Aktualität einer Jugend

Zeitgeschichte: Wann war damals? Die Erinnerungen von Johann Gross an seine Jugend in der Nazizeit und die Misshandlungen durch den Psychiater Heinrich Gross werfen auch die Frage nach der Verantwortung der Nachgeborenen auf.

Extra | Ernst Strouhal | aus FALTER 12/00 vom 22.03.2000

Der 10-jährige Johann Gross aus Wien-Erdberg begeht im April 1940 ein "Verbrechen": Er bricht eine Sammelbüchse des NS-Winterhilfswerkes auf und kauft sich von einem Teil des Geldes am Rochusmarkt eine Rosswurst. Das Kind wird erwischt und gerät als asoziales Element in die Fänge der Verwahrungsanstalten im nationalsozialistischen Wien. Seinen Erziehungsprozess in den folgenden Jahren fasst Gross fast sechzig Jahre später in einem Satz zusammen: "Ich lernte es, der letzte Dreck zu sein." Und Gross schreibt auch: "Aber ich hab mich auch immer aufgelehnt und nicht brechen lassen."

Man war in den letzten Jahren bei der Besprechung von Erinnerungen - besonders wenn sie von einer Kindheit in der Nazizeit handeln - schnell zur Hand mit starken Begriffen wie "erschütternd" oder "unvorstellbar", "Grauen" oder "Hölle". Vielleicht wurden die Wörter durch ihre leichtfertige Verwendung zu rasch verbraucht, und wir haben keine anderen. Es fällt deshalb nicht leicht, über den Bericht "Spiegelgrund.


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