Antisemitismus: Schuld ohne Sühne

Extra | Oliver Hochadel | aus FALTER 12/00 vom 22.03.2000

Ungleiche Lebensläufe gab es im 20. Jahrhundert auch in der österreichischen Volkskunde. Albert Ottenbacher hat das Leben der jüdischen Wissenschaftlerin Eugenie Goldstern rekonstruiert und mit einem biografischen Abriss des Vollblutnazis und späteren Doyens der österreichischen Volkskunde, Richard Wolfram, kontrastiert.

Eugenie Goldstern, geboren 1884 in Odessa, floh 1905 mit ihrer Familie vor den blutigen Pogromen nach Wien. 1912 begann sie ihre Feldstudien in entlegenen Bergdörfern im Wallis, im Tessin und in Savoyen. In Goldsterns wegweisenden Arbeiten wird die traditionelle Unterscheidung in "Zivilisierte" und "Barbaren" aufgehoben, nicht zuletzt durch den Nachweis "einfacher" Kulturen im Herzen Europas.

Das gerade Gegenteil davon hat die deutschtümelnde Volkskunde nach dem Ersten Weltkrieg im Sinn, auch in Wien. Am Österreichischen Museum für Volkskunde bemüht man sich um den Nachweis der Überlegenheit der "germanischen Rasse". Goldstern, die dem Museum einen Großteil ihrer


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