Auszug aus Ägypten

Ägyptologie: Jan Assmann untersucht Formen politischer Theologie bei den Pharaonen und zeigt, dass deren Regieren weniger religiös als politisch geprägt war.

Extra | Martin Treml | aus FALTER 12/00 vom 22.03.2000

Für Jan Assmann, Heidelberger Ordinarius der Ägyptologie, besitzt sein Fach ein besonderes Privileg. Es verfügt über einen "weit in die Zeittiefe vorgeschobenen Aussichtspunkt", von dem aus die eigene Vorgeschichte besser wahrgenommen werden kann "als im Horizont der abendländischen Rückerinnerung". Zumal diese - geprägt vom Geschichtsbild der Bibel - Entstellungen großen Stils vorgenommen habe. Eine davon ist die von Ägypten als einem "Sklavenhaus", wissenschaftlicher ausgedrückt: einer "orientalischen Despotie". Dem Nachweis, dass daran nicht einmal die Hälfte wahr ist, gilt Assmanns Bemühen seit langem. In seiner neuen Aufsatzsammlung erweitert er es um eine Auseinandersetzung mit dem Problem der politischen Theologie.

Den Begriff als solchen hat der deutsche Staatsrechtler Carl Schmitt 1922 in Umlauf gebracht: "Alle prägnanten Begriffe der modernen Staatslehre sind säkularisierte theologische Begriffe." Darum habe "der Ausnahmezustand für die Jurisprudenz eine analoge


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