Standpunkt: "Raus, raus, raus!"

Politik | aus FALTER 12/00 vom 22.03.2000

Bei Studentenversammlungen bekommt man höchstens dann eine Gänsehaut, wenn man vor lauter Langeweile müde wird und einem vor lauter Müdigkeit fröstelt. Normalerweise. Vergangenen Mittwoch konnte einem im Audimax der Uni Wien das Fürchten kommen, als über 1000 Studierende minutenlang "Raus, raus, raus!" skandierten. Die aufgebrachte Masse wollte 20 freiheitliche Studenten oder solche, die sie für freiheitliche Studenten hielt, aus dem Saal hinauskomplimentieren, besser: verjagen. Eine "HörerInnenversammlung" war ausgeschrieben, bei der "jeder Anwesende über den Uni-Streik mitstimmen kann". Aber was ein Hörer is, bestimm i, dachten einige Studentenvertreter, brüllten los, und die anderen brüllten munter mit: "Nazis raus!" Die Begründung wurde gleich hinterher geschrien: "Das ist eine antirassistische Veranstaltung!" Aber wohl keine besonders demokratische Veranstaltung. Wer Toleranz fordert, muss auch tolerant sein. Nicht Ausländerfeindlichkeit, nicht Rassismus, aber Menschen gegenüber. Man kann jemanden auch in zivilisiertem Ton bitten zu gehen, ohne dass der Mob losgelassen wird. Ein Student mit Schmiss wurde erst gar nicht in den Saal gelassen. "Ist das nicht auch meine Uni?", fragte er. Ja. Man mag seine Einstellung verabscheuen, aber er hat Recht. E.W.


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