"Ohne Wissen und Zustimmung"

Politische Vereinnahmung: Der Philosoph Konrad Paul Liessmann hat für Andreas Mölzers "Zur Zeit" geschrieben. Ohne selbst davon zu wissen.

Medien | Klaus Nüchtern | aus FALTER 12/00 vom 22.03.2000

Erbschuld erlischt" überschriebAndreas Mölzer den (mit dem Pseudonym Norbert Niemann gezeichneten) Aufmacher der ersten Jänner-Ausgabe des rechten Kampfblattes Zur Zeit. Ebenfalls auf der Titelseite werden die Beiträge zum "Thema der Woche"angekündigt: "Andreas Mölzer und Konrad Liessmann zur Jahrhundertwende". Und tatsächlich finden sich im Blattinneren neben Mölzers kursorischem Rückblick aufs letzte Jahrtausend und Jahrhundert auch"FünfThesen zum Millennium", in denen der Philosoph Konrad Paul Liessmann argumentiert, dass das 21. Jahrhundert dort weitermachen müsse, wo das 19. im Jahr 1917/1918 aufgehört habe.

Letzte Woche fand sich Liessmann dann wieder auf der ersten Seite- und zwar der eines Flugblattes der Gruppe gettoattack, durch das auf Liessmanns Kolaboration mit der rechten Zeitung, die eine Sammelklage "gegen die Verleumder der Wehrmachtund die Anti-Wehrmachtsausstellung" anstrengte, hingewiesen werden sollte. Liessmann war schockiert; erfuhr er doch auf diesem Wege zum ersten Mal davon, dass die Thesen, die er im November 1999 bei einer Podiumsdiskussion in Krems (an der neben Andreas Mölzer auch noch Günther Nenning, Helmut A. Gansterer und Erika Weinzierlteilgenommenhatten) vertreten hatte, "ohne mein Wissen und meine Zustimmung" veröffentlicht worden waren. Dass auch FPÖ-Kritiker nicht davor gefeit sind, durch strategisches Zitieren vereinnahmt zu werden, ist nicht neu; in der Art des Vorgehens aber hat sich Mölzer als besonders dreist erwiesen.


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