Soziologie: Misere Arbeit?

Ulrike Baureithel | Kultur | aus FALTER 12/00 vom 22.03.2000

Exodus ist bekanntlich ein biblisches Bild, das den Auszug der Juden aus Ägypten ins Gelobte Land beschreibt. Allgemeiner gewendet meint Exodus den transitorischen Zustand zwischen einer gegenwärtigen miserablen Lage und einer zukünftigen verheißungsvollen Utopie. Was für die Juden Ägypten war, ist für uns Heutige, nimmt man den Soziologen Andre Gorz beim Wort, die Arbeitsgesellschaft: eine Misere, die es zu überwinden gilt. Nicht Reform oder Umgestaltung, nicht Anpassung an die neuen Bedingungen oder gar neoliberale Unterwerfung, sondern Begräbnis ohne Trauer empfiehlt der altgediente Kapitalismuskritiker aus Frankreich, der mit seinem "Abschied vom Proletariat" schon vor einem Vierteljahrhundert mit traditionellen marxistischen Glaubensbeständen abgerechnet hat.

Fast zwei Jahre war der 1997 in Frankreich erschienene Band angekündigt, ehe die deutsche Übersetzung endlich Gnade vor dem Verfasser fand. Das französische Original "Miseres du present, Richesse du possible" markiert

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