Stadtrand: Bargeld vom Billa

Stadtleben | aus FALTER 12/00 vom 22.03.2000

"Haben Sie Interesse an der Vorteils-Club-Karte?", fragt mich der milchgesichtige Kassierer an der Billa-Kasse. Habe ich nicht. Nein. "Damit können Sie aber bargeldlos bezahlen und auch beim Einkaufen Geld abheben", lobt der Jungmann die Vorteile der Chipkarte, auf der ein Einkaufssackerl voll knackigem Obst und Gemüse abgebildet ist. "Das ist doch praktisch!" Wie bitte? Ich soll jetzt also meine Geldgeschäfte von Supermarktkassierern erledigen lassen? Menschen, die mir auf die Liptauersemmel husten, die mich fast täglich sehen und trotzdem nicht grüßen (okay, es gibt auch ein paar echt Nette). "Wieso nicht?", fragt das Milchgesicht und grinst dabei. "Weil das hier ein Supermarkt ist", sage ich. "Weil Sie kein Bankangestellter sind, sondern Einzelhandelskaufmann-Lehrling." Eher würde ich eine Kuhherde auf den Komposthaufen aufpassen lassen, den man in manchen Filialen Gemüseabteilung nennt, als dieses Milchbubi auf mein Geld. Ja natürlich! Man muss den zuständigen Marketingmenschen Repekt zollen. Schließlich hat man bisher immer nur sein Geld an der Supermarktkasse abgeben dürfen. Jetzt gibts bei Billa sogar Bares! Dass es vom eigenen Konto stammt, merkt man spätestens, wenn der Kontoauszug kommt. Per Post. Denn so was gibt es nicht im Supermarkt. Noch nicht. C. W.


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