Comandantina Dusilova: The Birth Of The Cool

Stadtleben | aus FALTER 12/00 vom 22.03.2000

Ich habe ein massives Problem mit Jazzmusik. Jahrzehntelang war ich in Stücke gerissen zwischen den rezeptorischen Antipoden schrankenlose Hingebung und mieselsüchtige Verachtung. Platten, die gerade eben im Plattengeschäft noch vom gnadenvollen Zauber der Einzigartigkeit überzuckert waren, schleppten sich, daheim auf den Plattenteller gelegt, müde und saftlos durch den Abend. Jazzgötter, die eben noch Schulstangeln vergoldet hatten, schrumpften zu Filialleitern der blechernen Beliebigkeit, sobald der letzte Sonnenstrahl hinter Pressbaum verschwunden war. Was war da los, warum war das so, hatte ich einen Klescher? Wie konnte Miles Davis' Horn bei Tag euphorisieren wie die Posaunen von Harlem, nächtens aber Depressionen auslösen, wie sie Karl Hodinas Ziehharmonika nicht grimmiger verursachten! Lag es an einer unheilbaren Gefühlsinversion, die es mir verunmöglichte, mir Jazzfestivals zu ersitzen, wie es das Reglement der Diktatoren des Intellekts vorsah? Ja, ich habe einen Klescher, und zwar einen gewaltigen. Er heißt Walter Richard Langer. Eine spätkindliche Prägung hat seine mit Basstimbre moderierte Jazzsendung in die Vormittags-Lappen meiner Großhirnrinde geschnitzt. In dessen Falten schlummern Endorphine, die nur Tagesjazz auszulösen vermag. www.geocities.com/Pentagon/4404


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