Standpunkt: Kein Fußvolk

Politik | aus FALTER 13/00 vom 29.03.2000

Sie war nicht der erste Abgang, und schon gar nicht der prominenteste. Dennoch ist der fliegende Wechsel der Wiedner Bezirkspolitikerin Susanne Reichard-Martini symptomatisch für den Zustand des Liberalen Forums. "Ich sehe keine Zukunftsperspektiven oder Erfolgschancen", sprach Reichard-Martini und schrieb sich bei der ÖVP ein. Kurz: Die Ratten verlassen das sinkende Schiff. Die Ungerührtheit, mit der liberale Politiker seit Jahren zu anderen Gruppierungen überlaufen, ist auffällig. Einer "normalen" Partei kehrt man nicht so ohne weiteres den Rücken, aber das wollten die Liberalen ja nie sein. Da liegt das Problem: Die riesigen Parteiapparate der "Altparteien" mögen altmodisch und schwerfällig sein, doch sie schaffen Identifikationen. So mühsam die Auseinandersetzungen mit der Basis für Parteichefs auch sind - im Wahlkampf braucht jeder Medienstar Fußvolk. Und das rennt sich nur dann die Füße wund, wenn es sich im Schoß der Partei integriert fühlt. Deshalb tut sich die SPÖ mit der Auflösung der Sektionen so schwer. Deshalb scheiterte Jörg Haider, die FPÖ in eine Bewegung umzubauen. Dem LIF fehlen zwei Voraussetzungen für den Erfolg: eine funktionierende Organisation und eine ideologische Klammer, die zusammenhält. Eine Partei war das Liberale Forum noch nie. G.J.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige