"Jetzt red ich"

NS-Prozess: Der Medienrummel könnte Heinrich Gross in die Bredouille bringen. Der Gesundheitszustand des wegen neunfacher Beteiligung an Mord angeklagten Ex-NS-Arztes soll noch einmal überprüft werden.

Politik | Gerald John und Florian Klenk | aus FALTER 13/00 vom 29.03.2000

Mit gesenktem Kopf lässt Heinrich Gross das Blitzlichtgewitter der Fotografen über sich ergehen. Auch beim Vortrag des Gerichtspsychiaters Rainhard Haller verzieht er keine Miene. Gross' Hirn sei von fortschreitenden Leistungsstörungen betroffen, referiert Haller. "Haben Sie das verstanden?", fragt der Richter. "Gehört habe ich es, verstehen tue ich es nicht", antwortet der Angeklagte, der jahrzehntelang selbst als Psychiater tätig war. Nach einer kurzen Beratung entscheidet der Richter: Gross sei derzeit nicht verhandlungsfähig. Der Prozess wird vertagt, in einem halben Jahr soll der Gesundheitszustand des 84-Jährigen noch einmal überprüft werden. Jetzt ziehen sich die Mundwinkel des Angeklagten nach oben. Mit einer Verbesserung des Gesundheitszustandes ist kaum zu rechnen. Gross ist aus dem Schneider.

Doch dann fährt der ehemalige Psychiater, angeklagt wegen Beteiligung am Mord von neun Kindern in der NS-Tötungsklinik Am Spiegelgrund, nicht etwa nach Hause, um sich auszuruhen.


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