Du bist tot für mich

Theater: Letzte Liebeserklärungen: Zur Erstaufführung von Sarah Kanes "Gier" an der Berliner Schaubühne.

Kultur | Wolfgang Kralicek / Berlin | aus FALTER 13/00 vom 29.03.2000

Wie erzählt man in fünf Worten vom Elend der Liebe? "Du bist tot für mich." Ein einfacher, furchtbarer, verzweifelter Satz. Ein Satz, den jeder schon einmal gesagt (oder wenigstens gedacht) hat. Jetzt steht er am Anfang von Sarah Kanes Stück "Gier" ("Crave"), das in der Berliner Schaubühne erstmals auf Deutsch gespielt wird.

Die junge englische Dramatikerin, die ihrem Leben voriges Jahr ein Ende gemacht hat, galt nach ihren ersten drei Stücken ("Zerbombt", "Phaidras Liebe", "Gesäubert") als skandalöse Galionsfigur des neuen britischen Schauerdramas; nach dem ersten Schock erkannte man, dass es um die Liebe geht - bis zur letzten Konsequenz. In "Crave" verzichtet Sarah Kane nicht nur auf Gewalt-, sondern überhaupt auf jede Form von Szenen. Wie in späten Beckett-Stücken sind die Figuren nur mit Buchstaben (A, B, C, M) bezeichnet, es gibt weder "Handlung" noch Dialoge. Das Thema aber ist immer noch die Liebe, und in einem Interview hat Sarah Kane "Crave" als ihr "verzweifeltstes"


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