Aufgeblättert

Kultur | Klaus Nüchtern | aus FALTER 13/00 vom 29.03.2000

Wuppertal, bist du großer Söhne: Neben Freejazz-Größen wie Peter Brötzmann und Peter Kowald und dem fantastischen Zeichner/Erzähler Eugen Egner ist vor allem Wolf Erlbruch zu nennen. Der Chefkönig der Buchillustration zwischen Wuppertal, Wisconsin und Wladiwostok hat sich diesmal ein "Neues ABC Buch" seines Landsmannes Karl Philipp Moritz (1756-1793) vorgenommen. Erzählte Moritz in seinem berühmten Entwicklungsroman "Anton Reiser" von der Lust und Sucht des Lesens, so legt der hier ganz seiner pädagogischen Mission ergebene Klassiker/Aufklärer den jungen Abc-Schützen nicht nur die Kulturtechnik des Lesens ans Herz, sondern stellt diesen gleich die fünf Sinne, die Einrichtung des Lebens und der gesamten zivilisierten Welt in "behutsam modernisierten" Sätzen von größter Klarheit, Schlichtheit und Humorfreiheit vor: "Ich will in diesem kleinen Buch fleißig lesen lernen, damit ich noch mehr Bücher lesen kann, wodurch ich klüger werde."

Ob man bei der Lektüre von "Nachts" klüger wird, sei dahingestellt. Jedenfalls geht es in Erlbruchs eigener Geschichte deutlich lockerer zu als in Moritz' alphabetischer Systematik: In zwölf witzig-poetischen Bildern wird die Behauptung des verschlafen an der Hand seines Sohnes Fons durch die nächtliche Stadt taumelnden Vaters, es sei "überhaupt nichts los in der Nacht", eindrucksvoll widerlegt.

Karl Philipp Moritz: Neues ABC Buch. Mit Illustrationen von Wolf Erlbruch. München 2000 (Antje Kunstmann). 64 S., öS 181, Wolf Erlbruch: Nachts. Wuppertal 1999 (Peter Hammer). 26 S., öS 137,


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