Stadtrand: Reklame lügt!

Stadtleben | aus FALTER 13/00 vom 29.03.2000

"Okay. In acht Minuten bei Ihnen", spricht der bebrillte Mann am Würstelstand ins Handy. Der Wurstportion nach zu urteilen, die vor ihm auf dem Pappteller liegt, hat er noch mindestens drei Minuten lang zu essen. Bleiben noch fünf Minuten, um "bei Ihnen" anzukommen. Praktisch, dass sich genau hinter dem Brillenmann eine U-Bahn-Station befindet: Einfach einsteigen - und schon ist man da. Doch was die neue Imagekampagne der Wiener Linien per City-Light-Plakat suggeriert, stimmt nicht ganz. Denn hinter diesem Würstelstand Ecke Gumpendorfer Straße / Otto-Bauer-Gasse gibt es im "Real Life" überhaupt keine U-Bahn-Station. Und auch kein U-Bahn-Schild. Nicht mal eine Bushaltestelle. Busse halten hier ausschließlich, wenn die Ampel Rot zeigt. Doch wenn sich der Mann vom Würstelstand beeilt, braucht er eh nur drei Minuten bis zur U4-Station Pilgramgasse. Mit etwas Glück steht auch eine U-Bahn abfahrbereit da. Wartet "bei Ihnen" jetzt an der nächsten Station, dann hat der Plakatheld sein telefonisches Versprechen gehalten. Aber vielleicht wohnt der Gesprächspartner eh einfach nur ums Eck. Und der Mann kann in Ruhe seine Wurst essen.

Nächste Woche: Sind die Leute vor dem Chelsea echt so schick und cool wie in der (anderen) Öffi-Werbung? C. W.


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