Stadtmensch

Stadtleben | aus FALTER 13/00 vom 29.03.2000

Die Stadt ist lesbar. Sofern man über die nötige Intuition verfügt, um die Wort-Graffiti in den Straßen und Gebäuden der Stadt zu deuten. Denn: "Nicht jedes Graffiti ist so einfach zu verstehen wie ,Sportclub is' super, Rapid is' bled'." Thomas Northoff, Schriftsteller und Wort-Graffiti-Forscher, unterscheidet nach 18 Jahren Erfahrung genau zwischen den verschiedenen Arten von Graffiti: "80 Prozent davon sind ,Hirnmist', 20 Prozent kreativ und durchdacht." Die Leidenschaft des 52-Jährigen für die Botschaften an Hauswänden und öffentlichen Toiletten begann 1983. "Damals hat sich in vielen Graffiti die unterdrückte Volksmeinung geäußert - wie etwa in den, Atomkraft - nein danke'-Sprüchen zum Thema Zwentendorf. Man konnte die gesellschaftliche Realität sozusagen direkt von den Wänden ablesen." In den vergangenen Wochen entdeckt Northoff vor allem Graffiti gegen die schwarz-blaue Regierung. "Meist steht da nur Widerstand oder O5", meint er. "Leider ein bisschen einfallslos." J.O.


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