Zivilgesellschaft?

Replik: Alle reden davon, aber offenbar meinen nicht alle dasselbe, wenn sie davon reden. Eine Begriffsklärung.

Vorwort | Isolde Charim | aus FALTER 14/00 vom 05.04.2000

"Hunderttausende am Heldenplatz gegen Rassismus und Rechtsextremismus. Zweifelsohne motivierend, aber noch lang keine Zivilgesellschaft", schreibt die IG-Kultur in der Ankündigung eines Symposions. Zivilgesellschaft beginne erst dort, wo es Strukturen gäbe.

Der deutsche Sozialwissenschaftler Alex Demirovic wiederum betonte im Falter-Gespräch (Falter 12/00), das Interessante an der Zivilgesellschaft sei "die ganze Frage der Eigeninitiative und der Selbstorganisation". Diese Frankfurter Lesart von Zivilgesellschaft entspricht der Romantik der ehemaligen Ostblockdissidenten, denen dieser Begriff seine Karriere verdankt.

Tatsächlich aber sollte man sich gerade jetzt daran erinnern, dass die Zivilgesellschaft Teil des Staates ist, jenes erweiterten Staates, wie ihn Antonio Gramsci definiert hat. Die Zivilgesellschaft ist jener besondere Bereich, in dem sich die Macht nicht durch Zwang durchsetzt, sondern durch die Organisation von Freiwilligkeit. Dieser sensible Herrschaftsmodus erfolgt durch


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