Standpunkt: Selber schuld

Politik | aus FALTER 14/00 vom 05.04.2000

Wenn Regierungskoalitionen verkauft werden, bevor sich die Verhandlungspartner noch an den Tisch gesetzt haben, dann ist es vielleicht nur eine Frage der Zeit, bis Chefredakteure damit beginnen Umfrageergebnisse nach Gutdünken umzuschreiben, um von einer Nicht-Geschichte doch noch zu einer rasanten Story zu kommen." Dieser Satz stammt aus dem Buch "Spin-Doktoren" derprofil-Journalistinnen Edith Meinhart und Ulla Schmid, das diese Woche erscheint. In der selben Woche publziert profil eine Umfrage, wonach die ÖVP auf 31 Prozent steigt und die FPÖ auf katastrophale 17 Prozent abstürzt.Ein Zusammenhang? Nein. Aber beide Veröffentlichungen werfen eine alte Frage wieder auf:Wie zuverlässig sind Umfragen? Sehr verläßlich, sagen Meinungsforscher, denn es handle sich um eine exakte Wissenschaft mit kalkulierbaren Schwankungsbreiten. Gar nicht, sagt jeder, der selbst einmal für ein Institut umgefragt und Fragebögen manipuliert hat. Dazu braucht es gar keine Chefredakteure. Eine Enquete-Kommission diskutiert derzeit im Auftrag der Regierung ein Veröffentlichungsverbot von Umfragen unmittelbar vor der Wahl. Der Wähler soll seine Entscheinung unbeeinflusst treffen können. Es wäre schade um den schönen Sport. Wer an Umfragen glaubt, ist selber schuld. E.W.


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