"Naturkatastrophe"

Braune Flecken. Die Erklärung von SP-Chef Gusenbauer ist nur ein Baustein zu einer lückenlosen Aufarbeitung der österreichischen NS-Vergangenheit. Im Keller der Zweiten Republik liegen noch viele Leichen.

Politik | Gerald John und Eva Weissenberger | aus FALTER 14/00 vom 05.04.2000

Das Stützpunktzimmer im Parlament, wo die SPÖ seit dem Ausscheiden aus der Regierung gerne ihre Pressekonferenzen abhält, wird wohl zu klein sein. Für seine 20-minütige Erklärung über die braunen Flecken der SPÖ weicht Parteichef Alfred Gusenbauer auf das größere Lokal VIII im Hohen Haus aus. Mit großem medialem Interesse ist zu rechnen. Eine generelle Abrechnung mit der Parteigeschichte dürfen sich die Journalisten am Donnerstag allerdings nicht erwarten, eher einen Aufruf zur Vergangenheitsbewältigung. Das Sündenregister ist lang: Die SPÖ umwarb, deckte und verhätschelte ehemalige Nazis, stellte ihnen Persilscheine aus und machte sie sogar zu Ministern. Die Details soll eine Arbeitsgruppe aus Historikern und Parteigranden recherchieren. Ungeachtet der Tatsache, dass sich der Historiker Oliver Rathkolb von der Kreisky-Stiftung gemeinsam mit Zeitgeschichtler Helmut Wohnout vom ÖVP-Vogelsang-Institut seit vergangenem Sommer der Vergangenheit der beiden Parteien widmet.

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