Bedient: Wo samma?

Politik | Florian Klenk | aus FALTER 14/00 vom 05.04.2000

Ein beliebter Grund polizeilichen Einschreitens ist der anonyme Anruf. Eine Schwulensauna und ein grünes Parteilokal ließen sich mit dem Hinweis auf ihn bereits prächtig durchsuchen. Auch bei Chinesen und Afrikanern funktioniert es: In einem Chinalokal in der Thaliastraße sitzt ein Hochzeitspaar und feiert mit den Festgästen. Sie in Weiß, er in Schwarz. Sie ist weiß. Er ist schwarz. Gerade sind die beiden vom Standesamt gekommen. Es gibt ein großes Buffet, Festansprachen, Kinder, Hochzeitsgeschenk ... Stopp! Ein Schwarzer beim Chinesen? - Riecht nach organisierter Kriminalität. Ein "anonymer Anrufer" meldet sich telefonisch bei der Polizei. "Da unten wird von Negern gedealt! Machts etwas. Da gehen Neger aus und ein", warnt er die Beamten. Die Fahnder sausen zum Lokal. Ein paar in Zivil, ein paar in Uniform. Viele Polizeiautos parken vor dem Lokal."Es tuat ma laad", sagt ein Uniformierter, "wir haben einen anonymen Hinweis, wir müssen ihre Ausweise kontrollieren." Die Braut, der Bräutigam und alle Festgäste müssen ihre Dokumente zücken und Visa vorweisen. Ein Beamter in Zivil wird etwas ungeduldig: "Was is? Was is? Habts schon des Gift? Wo is des Gift?", fragt er seinen Kollegen. Der sucht noch immer nach Drogen. "Soll ich Verstärkung holen? Wo is des Gift." Die Fahndung verläuft negativ, die Beamten wollen gehen. "Wollts ihr net wenigstens zur Hochzeit gratulieren?", fragt ein Gast. Ein Uniformierter dreht sich um: "Wir alle wünschen Ihnen im Namen der Polizei alles Gute!" Sein Kollege in Zivil fällt ihm ins Wort: "Na hallo, wo samma! Alle net, lass mi da ausse, bitte, i hab damit nix zu tun." Es war dann noch ein schönes Fest.


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