Von "Aufstand" bis "Zinn"

Literatur. "Der Taumel" hätte Libuse Monikovas Opus magnum werden sollen. Der frühzeitige Tod der Autorin verhinderte die Fertigstellung des Romans, der nun als Fragment erschienen ist.


Klaus Nüchtern
Kultur | aus FALTER 14/00 vom 05.04.2000

Jemand muss Jakub Brandl verleumdet haben. Major Schramm, der ihn vernimmt, findet den 48-jährigen Künstler und Professor an der Prager Kunstakademie wenig entgegenkommend, was dieser bestätigt: "Von ,Kooperation' halte ich nichts." Worauf Schramm - leicht zu durchschauen - die Taktik wechselt und beginnt, um die Sympathie von Brandl zu werben. Schwieriger ist es für diesen, dem Bedürfnis zu widerstehen, sich von Oskar Machor zu distanzieren; nicht aus opportunistischen Gründen, sondern weil er mit den Kunstwerken und "Happenings" dieses Selbstdarstellers nun wirklich nichts am Hut hat: "(...) zerschnittene Kleider, aufgehängt zwischen Bäumen in Parkanlagen, zum Erschrecken der Rentner beim abendlichen Spaziergang, als ,Aufruhr!' - Aktionskunst gegen die Stagnation im Lande! Das Meisterwerk von Machor ist ein Pappmache-Stuhl mit einem verknoteten Bein."

Der Taumel, den Libuse Monikovas posthum erschienenes Romanfragment im Titel führt, ist keine bloße Metapher für die Tschechoslowakei

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