Massaker in St. Marx

Theater. Gemeinsam haben Josef Szeiler und Anne Mertin in den Achtzigerjahren die legendäre Gruppe Angelus Novus betrieben. Heute suchen sie auf getrennten Wegen das Theaterglück - zum Teil mit denselben Texten wie damals.

Kultur | Stephan Hilpold | aus FALTER 14/00 vom 05.04.2000

Josef Szeiler ist müde. "Das Theater ist so verrottet", sagt er mit trauriger Stimme. "Niemand denkt mehr extrem. Es ist langweilig, wenn alles abgesichert ist." Er seufzt. Szeiler wäre gerne Theaterterrorist. Schon seit 20 Jahren. Damals, in den Achtzigern, war der Wiener Bandenführer der von vielen als "Kultgruppe" bezeichneten Formation Angelus Novus, dem einzigen "postdramatischen Theater" Wiens mit überregionaler Bedeutung. Jetzt leitet er - zusammen mit der Deutschen Claudia Bosse, die noch vor einigen Jahren mit Thomas Ostermeier in einer Regieklasse saß - das TheaterCombinat. Die Tempel der bürgerlichen Unterhaltung dem Erdboden gleichmachen, das wärs. Und wenn Szeiler sich einmal in Rage redet, ist die Resignation verflogen.

Einmal wäre ihm das Terroristenglück fast hold gewesen. 1995, als ihm Heiner Müller für eine Inszenierung seines "Philoktet" das Berliner Ensemble überließ, wollte er unter anderem jede zweite Sitzreihe aus dem Weihetempel am Schiffbauerdamm reißen


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