Onkel Lou auf dem Lande

Musik. Wo Lou Reed draufsteht, ist auch Lou Reed drin. Auch in seinem neuen Album "Ecstacy".

Kultur | Klaus Nüchtern | aus FALTER 14/00 vom 05.04.2000

Schon immer hat es Lou Reed vermocht, aus eigenem, fremdem und fiktivem Leid ästhetisches Kapital zu schlagen. Wer hier moralisierend den Vorwurf der "emotionalen Ausbeutung" erheben will, soll das meinetwegen tun. Ob nun der verspätete Nachruf auf Andy Warhol verlogen war oder nicht, wird freilich nichts daran ändern, dass das gemeinsam mit John Cale komponierte und eingespielte Album "Songs for Drella" (1990) eines der schönsten und stimmigsten des ausgehenden Jahrhunderts war. Auch "Magic and Loss" (1992), mit seinen Liedern über den Tod zweier Freunde, über körperlichen Verfall und Strahlentherapie, überzeugt gerade dadurch, dass das existenzielle Pathos nicht einfach musikalisch verdoppelt und damit so getan wird, als gäbe es einen adäquaten musikalischen Ausdruck dafür.

Schon auf dem Cover von "Ecstacy", seinem ersten Studioalbum seit "Set the Twilight Reeling" (1996), posiert Reed als Ikone des Leidens: fünf Ausdrucks- und Bewegungsstudien eines Kopfes vor stumpf schwarzem


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